Stephan Urbach, 40


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags?



Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?

Meine Struktur hat sich nicht geändert - ich habe schon vor Corona von zu Hause gearbeitet. Da ich einen Hund habe gehe ich mindestens dreimal täglich raus und versuche zur gleichen Zeit jeden Tag schlafen zu gehen.


Wie haben sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine Körperlichkeit ausgewirkt?

Ich merke, dass mir körperliche Nähe fehlt - von der freundschaftlichen Umarmung bis hin zu sexuellen Kontakten. Ich bin mittlerweile sehr schnell von allem überreizt während die Haut unterstimuliert ist.


Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie?

Ich halte auch draußen Abstand und die physische Distanz schafft auch eine geistige Distanz.


Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit?

 Andere Menschen sind so weit weg, dass ich nichts beobachten kann.


Was fehlt dir körperlich durch Corona?

Umarmungen, Küsse, Sex.


Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht?

Händeschütteln.


Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner?

Sehr viel ferner.


Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr?

Im ÖPNV, Supermarkt und Wartebereich von Arztpraxen.


Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr?

Im ÖPNV, Supermarkt und Wartebereich von Arztpraxen.


Welche Elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken?

Keine Hook-Ups mehr, keine Sex-Partys, kein spontanes Kaffeetrinken mit Freund*innen.


Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert? 

Alle und alles ist so weit weg. Ich fühle mich in mir selbst gefangen. Keine Chance auf Ausbruch, Nähe.


Was hat sich für dich zwischenmenschlich/körperlich positiv verändert

Nichts. Gar Nichts.