Nicky Vanoppen, 38 - Tänzer


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags? 


Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?  

Sehr. Ich verbringe die meiste Zeit zuhause und plane täglich 2 Aktivitäten, wo ich mich zwinge aus dem Haus zu gehen. (Spaziergang/Fahrradtour/Einkaufen...)



Wie haben sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine Körperlichkeit ausgewirkt? 

Ich tanze so gut wie gar nicht mehr, da es dazu kaum Möglichkeiten gibt und meine Wohnung zu klein ist.
Lustigerweise mache ich in den letzten Monaten sehr viel mehr Sport, draußen oder Workouts zuhause die wenig Platz brauchen.
Bin da viel disziplinierter geworden.



Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie? 

Ich vermeide volle Straßen, habe mir alternative Wege zurecht gelegt. Seit Monaten habe ich kaum öffentliche Verkehrsmittel genommen, sondern bin meistens mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Schrecke auch vor langen Strecken, Regen oder Kälte nicht zurück.



Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit? 

Die meisten (leider noch nicht alle) respektieren endlich den persönlichen Space/Abstand den ich mir vorher auch schon gewünscht hätte. Geht doch.



Was fehlt dir körperlich durch Corona?  

Meine Freunde zu umarmen.



Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht? 

Unbequeme und unfreiwillig komische Begrüßungen, wo man nicht weiß, ob man sich die Hand geben soll, umarmen oder ein (zwei?) Küsschen geben soll.



Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner?  

Beides. Freunde, die ich sonst öfters treffe und die in der gleichen Stadt wohnen, sehe ich weniger. Dafür gibt es wieder mehr virtuellen Kontakt mit Leuten, mit denen ich seit Jahren eher weniger Kontakt hatte.



Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr?

Immer.



Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr? 

Immer.



Welche elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken? 

Das Vertrauen. Die wenigen Menschen mit denen ich mich treffe, bei denen weiß ich ganz genau, dass sie sich selbst auch klar bewusst sind über die Covid-Situation und sich entsprechend verhalten.
Es gibt auch Freunde, obwohl ich sie liebe und vermisse, die ich nicht sehe, weil sie es aus meiner Sicht etwas zu locker nehmen oder zu oft zu viele Menschen treffen.



Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert?

Ich habe seit etwa 10 Monaten, außer meinem Freund, vielleicht insgesamt 4, 5 andere Freunde mal für eine sehr kurze Umarmung berührt . Aber auch dann nur, nach kurzer Überlegung und gegenseitigem Einvernehmen.
Da ändert sich mit dem Körperlichem automatisch auch das Zwischenmenschliche.



Was hat sich für dich zwischenmenschlich/körperlich positiv verändert? 
Mehr Respekt für Personal Space. Endlich machen die Leute etwas mehr Platz auf der Straße, im Geschäft oder in öffentlichen Verkehrsmittel.