Michael


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags?



Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?

Ich verwende weniger Zeit für kleinere Einkäufe und eher mehr Zeit für einen größeren Einkauf pro Woche für Dinge des alltäglichen Bedarfs. Durch die Pflege meiner Mutter werden Erledigungen für sie/mit ihr aufwendiger.
Ich kaufe mehr im Internet ein, was ich vorher im Laden kaufte, zB Katzenfutter, Nagerfutter, Kosmetik, etc. um die zT vollen Läden mit Touristen (zT ohne MNS) zu umgehen.
Telefonate mit Freund:innen sind wieder häufiger. Dafür sind Treffen mit Übernachtungen bei uns gecancelt. Zu kritisch. 


Wie haben sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine   Körperlichkeit ausgewirkt?

Ich bin manchmal entspannter, weil weniger Besuch auch weniger Arbeit und Umstellung des eigenen Rhythmus bedeutet, gleichzeitig finde ich alles etwas anstrengender, Menschen stressen mich leichter als vorher, vor allem, wenn ich unterwegs bin. 



 Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie?

Ich fahre meine Mutter nicht mehr selber herum zu ihren zahlreichen Terminen, lasse das den Pflegedienst machen. Keine Freunde mehr zu Besuch, mehr Zeit für eigene Dinge, aber auch das vermissen von persönlichen Kontakten. Ich bin mehr draußen, am Strand, mit dem Rad unterwegs.
Aber ich esse mit meinem Partner auch mehr, und wir trinken mehr Alkohol (Wein, Bier). Das ist manchmal etwas belastend für mich, bekomme es aber gerade wieder in den Griff, es ist wieder mehr Routine da.  



Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit?

Mein Partner muss in einem Tourismusbetrieb arbeiten, 9-10 Stunden Schichten, Manufaktur-Produktion. Das stresst ihn sehr, da weder Kolleg:innen noch Kund:innen sich an Regeln (Abstand, MNS) halten, und er hat Angst, sich, mich und meine Mutter anzustecken. Und er regt sich über rücksichtslose Menschen auf.
Der (lose) Kontakt zu Nachbarn ist zT abgebrochen , zT hat er sich auf Distanz und mit Abstand qualitativ verbessert.



Was fehlt dir körperlich durch Corona?

Umarmungen, körperliche Nähe zu Freunden, Ungezwungenheit. Training mit anderen.



Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht?

Die, die verschwunden sind, fehlen mir. 



Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner?

Ich fühle mich manchen, wenigen Menschen näher, aber meine Distanz zu anderen Menschen hat sich vergrößert, auch durch Reaktionen auf Corona, politische Einstellung etc.


Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr? 

Beim Einkauf in gut gefüllten Geschäften.  



Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr?

Eher selten, nur wenn es aus Unachtsamkeit geschieht, wenn zB der Abstand zu anderen beim vorbeigehen am Regal oder mit dem Pflegedienst geschieht. 



Welche Elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken?

Umarmen, Küsschen auf die Wange, Nähe zu Freunden. Weniger bis keine treffen: Ziehe ich durch, fällt mir aber schwer. Essen gehen in Lieblingsrestaurants vermisse ich sehr, ins Kino gehen, Training mit 2-3 Menschen. 



Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert?

Manche Kontakte sind auf Distanz „intimer“, dichter, geworden, andere oberflächlicher. Das ist ein Prozess, der sich gerade verdichtet. 



Was hat sich für dich zwischenmenschlich/körperlich positiv verändert?

Die Qualität mancher Online-Bekanntschaften ist besser geworden. Die Befindlichkeiten von anderen und sich selbst auszuhalten fällt mir derzeit leichter, weil der Umgang direkter, offener, intensiver geworden ist bei einigen.