Magdalena Tepelmann - Pfarrerin im Ruhestand


Magdalena Tepelmann ist Pfarrerin im Ruhestand, aber immer noch sehr aktiv in der Senioren-, Hospiz-, und Asylarbeit.


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags?


1. Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?

Meine Wochentage waren nicht mehr so strukturiert. Sie waren aufgeteilt für Hospizarbeit Seniorenbesuche und Asylarbeit. Alles musste plötzlich aufhören. Die Heime machten dicht und meine Familien hatten viele Kinder und es hieß aufpassen, auch keine Krabbelnachmittage mehr mit Müttern und Kindern aus verschiedenen Ländern! Schade!


2. Wie haben sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine   Körperlichkeit ausgewirkt?

Da ich zurzeit Gott sei Dank körperlich und psychisch ziemlich stabil bin, hatte ich trotz Veränderungen den Tag gut im Griff.  (Ich kenne auch andere Zeiten) . Ich beginne mit Telegymnastik (Fernsehen). Regelmäßige Mahlzeiten sind wohl auch wichtig, denke ich und genügend Hobbys, wie z.B. Klavier spielen oder Stricken.


3. Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie?

Ich halte mehr Abstand an der Bushaltestelle und im Bus. Das ist bei uns auf dem Land aber auch kein größeres Problem. Ich kaufe jetzt mehr ein. Das tat sonst mein Mann. Ich liebe den Wochenmarkt mit den regionalen Waren und pass dort auch wenn möglich auf Abstände auf. Ich hab ihn neu entdeckt.


4. Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit?

Es gibt auch manche rigorose Gesundheitsapostel, wenn man denen aus Versehen zu nahe gerückt ist, werden sie gleich pampig am Stand beim Wochenmarkt. Manchmal ein wenig mehr Gelassenheit bitte!


5. Was fehlt dir körperlich durch Corona?

Ich würde gerne manche meiner Migrantinnen fest umarmen. Sie packen so viel in ihren Ausbildungen und Ihrer Familie. Und meine Jungs würde ich gerne umarmen. Aber sie leben weiter weg und müssen mit dem Zug kommen und mit Maske...alles nicht so einfach. Aber durch Zoom ist wenigstens hin und wieder Kontakt möglich.


6. Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht?

Gottesdienste live! Die digitalen Gottesdienste sind einfach so viel schöner und kreativer! Gottesdienste mit jüdischen Rabbinerinnen oder Imaninnen, und das in einer christlichen Kirche! Das haben die Pfarrer und Pfarrerinnen von Berlin gut gemacht!


7. Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner?

Ich habe viel mit meinen Geschwistern telefoniert und mancher Kontakt wurde aufgefrischt und viele Karten verschickt. Und mit meinen Söhnen hab ich noch nie so viel telefoniert, wie in dieser Zeit, sie waren alle drei um uns besorgt. Wir sollten aufpassen.

Aber eine Freundin äußerte sich auch seltsam über unsere Bundesregierung! So in Richtung ....gibt es den Virus überhaupt? Da gehst du dann doch ein wenig auf Distanz.


8. Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr? 

Ich sagte das schon...wenn es um die Gesundheitsapostel geht. Gelassenheit braucht man gerade jetzt auch.


9. Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr?

Das können mir im Grunde nur andere sagen. Ich weiß es nicht.


10. Welche elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken?

Ich war mehr zu Hause auch zusammen mit meinem Mann und das bin und war ich überhaupt nicht gewöhnt. Das ist nicht immer einfach. Auch im Pfarramt war ich immer unterwegs. In letzter Zeit hab ich wieder angefangen meine Migrantenfamilien zu besuchen, aber jetzt gehen die Zahlen wieder hoch. Und die Heime sind noch immer dicht. Auch Volkshochschulen beschränken ihre Zahlen mit Veranstaltungen.


11. Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert?

Das hab ich mit Frage 10 schon beantwortet.


12. Was hat sich für dich zwischenmenschlich/körperlich positiv verändert?

Ich hab die Wohnung ein wenig auf den Kopf gestellt. Mein Mann fand das zwar unnötig. Aber das musste sein. Ich hab ein gewisses ästhetisches Empfinden, eine Weile kann ich mir Dinge angucken und dann geht es nicht mehr. Und wenn man so lange zu Hause ist, dann gehören ein paar alte Möbel raus.

Und ich brauchte in dieser Zeit immer Kerzen und Blumen. Dann war ich zufrieden.