Laura, Psychologin, 31


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags? 



Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?

Ich bin wesentlich mehr zuhause, sehe weniger Freunde und verbringe auch die Wochenenden mehr zuhause. An meiner Arbeitssituation hat sich Gottseidank nichts verändert, deshalb habe ich weiterhin eine Tagesstruktur.


Wie hat sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine
Körperlichkeit ausgewirkt?

Ich fahre etwas mehr Fahrrad und versuche die U-Bahn zu meiden wenn es geht. Ansonsten bewege ich mich allerdings viel weniger. Ich habe die letzten sechs Monate so wenig Sport gemacht wie noch nie, ich kann mich einfach nicht dazu motivieren alleine zuhause Sport zu machen. Ich fühle mich wesentlich träger als sonst, kein Sport, kein Tanzen, viel zuhause rumsitzen. 

Weil ich viel mehr zuhause bin und auch mehr Zeit habe als vorher habe ich angefangen mich stark auf mein Essverhalten zu fokussieren, was teilweise ungesunde Züge angenommen hat. Das hat sich nun aber glücklicherweise wieder reguliert.

Außerdem bin ich jemand, der sehr gerne körperliche Nähe zu anderen spürt, gute Freunde aber auch zu Fremden, im Club zum Beispiel. Das fehlt mir seit Beginn der Pandemie sehr, weshalb ich mich oft sehr unverbunden fühle.


Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie?

Ich versuche so gut es geht meinen Alltag von "davor" aufrecht zu erhalten. Große Angst vor Ansteckung habe ich nicht, deshalb versuche ich im Rahmen der jeweiligen aktuellen Möglichkeiten so viel zu machen wie ich kann. Im ersten Lockdown war ich sehr viel alleine zuhause. Ich habe mich sehr einsam gefühlt und das hat mir psychisch überhaupt nicht gut getan. Als die Maßnahmen wieder gelockert wurden habe ich versucht zu meinem Alltag zurückzukehren, so gut es eben geht. Einschränkungen gibt es natürlich trotzdem die ganze Zeit.


Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit?

Menschen halten generell viel mehr Abstand, wirken vorsichtiger und ängstlicher.


Was fehlt dir körperlich durch Corona?

Wie schon erwähnt fehlt mir körperliche Nähe extrem, umarmen, kuscheln, in vollen Clubs tanzen, Konnektivitätsworkshops, die ich normalerweise oft besuche. Dadurch kommt mir auch oft ein Verbundenheits- oder Gemeinschaftsgefühl abhanden. Außerdem fehlt es mir regelmäßig Sport zu machen, ins Fitnessstudio zu gehen, und in die Sauna um mich zu entspannen. Ich bin träger als sonst, aber gleichzeitig auch wesentlich angespannter im Muskeltonus, weil es psychisch schon viel Stress gibt und wenig Möglichkeiten für mich das rauszulassen


Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht?

Händeschütteln in der Arbeit fehlt mir nicht, darauf könnte ich in Zukunft auch verzichten. Alles andere fehlt mir schon.


Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner?

Wesentlich ferner.


Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr? Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr?

Eigentlich nie. Also nicht in Bezug auf Corona. Wenn ich nachts alleine durch den Park laufe und eine Gruppe Männer läuft hinter mir nehme ich die dann vielleicht schon als Bedrohung war. Aber generell bin ich kein ängstlicher Mensch. Wenn die Ubahn voll ist und viele Menschen dicht gedrängt mit Maske im Wagon stehen mache ich mir trotzdem keine Sorgen. 


Welche elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und  wie musst du umdenken?

Drei mal die Woche ins Fitnessstudio gehen geht nicht mehr. Meinen Geburtstag mit vielen Leuten feiern geht nicht mehr. Am Wochenende ausgehen geht nicht mehr. EInfach in den Urlaub fahren geht nicht mehr. 

Ich musste neue Wochenendbeschäftigungen finden. Meinen Sommerurlaub habe ich dieses Jahr einfach in Brandenburg verbracht, was irgendwie ganz schön war. Ich wollte gerne meine Hobbies wie Nähen und Kostüme basteln wieder aufnehmen und habe mir auch sehr viel Zubehör dafür gekauft. Leider konnte ich mich dazu überhaupt nicht aufraffen und habe viel Zeit vor Netflix verbracht stattdessen. 


Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert?

-Leute schrecken vor Umarmungen zurück, weichen dir auf dem Bürgersteig aus, kucken dich böse an wenn man sich in der Ubahn neben sie setzt. Ich finde das schrecklich. 


Was hat sich für dich körperlich- zwischenmenschlich positiv verändert?

-Leider eigentlich nichts.