Johanna Lemke - Tänzerin


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags? 



Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert?

Ich bin mehr im Land, nicht mehr so viel auf Tour. Das ist für mich der größte Wechsel. 


Wie hat sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine   Körperlichkeit ausgewirkt? 

Da ich nicht mehr so viel arbeiten bzw. Proben kann und die Studios immer wieder geschlossen sind baue ich komplett auf joggen was das Training angeht. Das ist natürlich eine komplett andere Form des Trainings als tanzen. Mir fällt es schwer ein regelmäßigen Rhythmus für Training in meinen Alltag mit drei Kindern zu finden. Wenn ich arbeite geht das viel Besser. 


Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag Wenn ja, wie? 

 Ich arbeite sehr viel. Aber vom Computer. Das ist eine Neue Welt. Auf der Straße fällt mir auf, dass ich mehr um mich sehe, Abstände einschätze und Menschen in die Augen blicke, weil die Masken den Rest des Gesichts verdecken oder man in Kontakt treten möchte um zu erkennen wie der Umgang mit der Lage bei dem Gegenüber eingeschätzt wird. 


Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit? 

Ich wundere mich oft über eine Art Blindheit. Möglicherweise durch die Masken bedingt, also eingeschränkte Sicht tatsächlich oder das in Gedanken sein. Es gibt das Sich-abgrenzen oder das Mir-doch-alles-egal in der Haltung. Eine Mitte finde ich selten. Ich spüre oft eine Aggression in der Luft oder eine Suche nach Nähe, also auch da wieder extreme. 


Was fehlt dir körperlich durch Corona? 

Eindeutig die Berührung und das unüberlegte Begegnen frei von Regeln.


Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht?

 Ich denke ich bin sehr anpassungsfähig und versuche nicht so viel darüber nachzudenken was mir fehlt und was nicht. Mir hilft weiterdenken und Veränderung zu akzeptieren. Das hat Corona bei mir wieder neu angetreten.


Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner? 

Ja, näher! Einem ausgewähltem Kreis von Menschen für den ich beschlossen habe sie sind unverzichtbar. 


Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr?

In Massen, das ist aber bei mir nicht neu:-) 


Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr?

Wenn ich meine Großmutter besuche oder ältere Menschen sehe. 


Welche Elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken? 

Wie schon gesagt die Arbeitssituation muss komplett umgedacht werden. Auch in der Familie, also im Umgang mit anderen Familien und den Kindern fühle ich dass ich versuche eine Normalität zu simulierende es nicht gibt. 


Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert? 

Die Körperliche Berührung ist zumindest in Deutschland natürlich am Leiden. Keine Begrüßungsumarmung sondern neue Formen mit Ellbogen und Fuß. Oder andere Symbole mussten erfunden werden. Für Junge Leute und andere natürlich auch ist das Dating kompliziert geworden. Wen man an sich ran lässt, dem erlaubt man Nähe. 


Was hat sich für dich Körperlich- zwischenmenschlich positiv verändert 

Ich fühle mich mutiger und irgendwie komischerweise freier. Weil ich meine eigenen neuen Regeln erfinden muss. Körperlich sowie menschlich.