Anna, 19


Wie verändert Corona die Choreographie des Alltags? 


Wie hat sich deine alltägliche Struktur verändert? 

Ich darf mein Schulgebäude nur noch zu bestimmten Zeiten betreten und man muss mit Wartezeiten, wie beim Einlass in Geschäfte, rechnen. So spüre ich, dass das öffentliche Leben ist nicht mehr einfach frei zugänglich ist. Dadurch vermeide ich in meinem Alltag auch ohne einen wichtigen Grund in die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist nicht möglich am Wochenende spontan Freunde zu treffen oder gemeinsam etwas zu unternehmen. 


Wie hat sich Corona und die damit einhergehenden Veränderungen auf deine Körperlichkeit ausgewirkt? 

Ich spüre keine große Veränderung auf meine Körperlichkeit, nur merke ich manchmal, dass ein freies Gefühl, ein Gefühl von „Durchatmen“ und „Weite“, in mir entsteht, wenn ich an die frische Luft komme oder spazieren gehe. 


Bewegst du dich durch Corona anders durch den Alltag? Wenn ja, wie ? 

Ich beginne Menschenansammlungen automatischer zu meiden und sie beginnen mich beinahe „abzuschrecken“. Ich wäge die Notwendigkeit des Verlassens des Hauses stärker ab. In der Natur zu sein genieße ich dadurch nun bewusster. 


Was beobachtest du bei anderen Menschen an Bewegungsveränderungen oder Veränderungen in der Körperlichkeit? 

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen es mehr genießen, wenn sie das Haus verlassen können, um spazieren zu gehen oder in der Natur zu sein. Außerdem merke ich in manchen Situationen mehr Bewusstsein für den zwischenmenschlichen Kontakt und die Rücksicht auf andere Personen im Alltag, wie beispielsweise beim Einkaufen. 


Was fehlt dir körperlich durch Corona? 

Solange ich für Sportaktivitäten oder um in der Natur Spazieren zu gehen das Haus verlassen darf, fehlt mir körperlich nichts durch Corona. Doch beim zwischenmenschlichen Kontakt, fehlt es mir schon, Freunde zur Begrüßung / zum Abschied oder in schwierigen Situationen einfach zu umarmen. 

Welche körperlichen Aktivitäten oder Handlungen, die seit Corona aus dem Alltag verschwunden sind, fehlen dir überhaupt nicht? 

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Fühlst du dich seit Ausbruch von Corona anderen Menschen näher oder ferner? 

Seit dem Ausbruch von Corona fühle ich, dass es oft mehr Freude weckt als vorher, wenn man beispielsweise über elektronische Geräte Kontakt aufnimmt oder über soziale Medien etwas voneinander erfährt. Diese Nachrichten haben an Bedeutung zugenommen, da man sich nicht treffen kann, um Gespräche zu führen und Entwicklungen miteinander auszutauschen. Dieser Kontakt fühlt sich für mich allerdings ferner an. 


Wann nimmst du andere Körper im Alltag als Bedrohung wahr? 

„Bedrohung“ empfinde ich als ein zu starkes Wort. Aber ich merke, dass ich vorsichtiger geworden bin, indem ich Menschenmassen meide und vor körperlichem Kontakt „zurückschrecke“. 


Wann nimmst du deinen eigenen Körper als Bedrohung für andere wahr? 

Ich habe Sorge meine Familie und Kontaktpersonen infizieren zu können und eine mögliche Infektion übertragen zu können. 


Welche Elementaren Gewohnheiten haben sich für dich verändert und wie musst du umdenken? 

Elementare Gewohnheiten, wie der unbedenkliche nähere körperliche Kontakt mit Familie und Freunden hat sich verändert. Ich bin zögerlicher geworden und ich fühle mich im Umgang mit anderen „belasteter“ und weniger unbeschwert. 


Was hat sich zwischenmenschlich/körperlich verändert? 

Das Vermeiden von Umarmungen, das Händeschütteln, der unbedenkliche körperliche Kontakt hat sich zwischenmenschlich verändert. Ich merke, dass ich durch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen viel mehr darauf achte, was die Augen der Menschen aussagen. 


Was hat sich für dich Körperlich- zwischenmenschlich positiv verändert? 

In einigen Situationen habe ich das Gefühl, dass Menschen bewusster und auch rücksichtsvoller miteinander umgehen. Man wartet z. B. um andere vorbei zu lassen, damit man den Abstand einhalten kann und zu engen Kontakt vermeidet.